Städtischer Friedhof Herzberge

 

 

Wo: S 5, 7, 75- Friedrichsfelde Ost, ca 400m bis zum Haupttor

(Was sind die “Berliner Stipvisiten”?)

Der Städtische Friedhof in Herzberge, auch Sozialistenfriedhof genannt, kommt als weitläufige Parkanlage daher. Wenige Berlin Besucher verirren sich so weit raus, es sei denn um das Grab von Rosa Luxemburg oder Karl Liebknecht zu besuchen. Doch von deren Anwesenheit erfahre ich erst später.

Mein Eintritt in den Friedhof geschieht ungeplant. Ich wandere entlang des Drahtzaunes der das Gelände begrenzt, unsicher wie weit ich dem Weg folgen will, als ich links von mir eine lose Einheit wahrnehme. Bevor ich lange drüber nachdenke biege ich sie ein wenig zur Seite und gehe hindurch.

 

 

Besucher der Anlage sind nur vereinzelt, weit entfernt, zu sehen. Im Verlauf meines Besuches stellen sich die meisten als Pfleger des Friedhofes heraus. Der Tag ist ungewöhnlich sonnig und ruhig. Vor mir erstreckt sich angenehm verwildertes Grün mit sauberen Wegen. Beim näheren Hinsehen bilden sich Abschnitte. Efeubewachsene Bodenflächen in tiefem Grün formen die Silhouette einer Reihe von Grabhügeln nach.

 

 

Geradeaus strahlt die Sonne zwischen Laubbäumen hindurch. Eine Bank lädt ein sich zu setzen. Statt parallel aufgestellter Grabsteine wurden Blumenbeete um die Bäume herum angelegt. Zwischen den Blumen finden sich fußballgroße Steine mit Name und Datum des Verstorbenen. Das Ensemble wirkt zufällig. Die Toten gehören zum Park wie die Pflanzen. Es ist angenehm in ihrer Gesellschaft zu sein.

 

 

 

Während ich vor mich hinsinne gelange ich auf eine Wiese. In einiger Entfernung liegt ein aufgeschlagenes steinernes Buch. Jemand hat Kinderspielzeug auf einer Seite abgelegt. Es stellt sich als Erinnerung an die verstorbenen Waisen des städtischen Waisenhauses aus den Jahren 1859-1896 heraus. Den Namen folgt das Alter. Drei Jahre, Findlinge 28 Tage, 2 Monate…Unwillkürlich frage ich mich woran sie gestorben sind. Wer hat sie ins Waisenhaus gebracht? Was für ein Leben war das?

 

 

 

 

Dieser Friedhof vereint auf unspektakuläre Weise große zeitliche Abschnitte miteinander. Waisenkinder des 19.Jahrhunderts, Revolutionäre und Künstler, ermordete Juden. Mehrere Weltkriege und ihre Vorgeschichte.

Von einem Hügel guckt ein Mausoleum auf den Park herunter. Ein schmaler Pfad führt zur Hintertür. Schweres Eisen, verschlossen. Am Fuße der Tür angelehnt ein Foto, mit Kieselsteinen beschwert. Es zeigt drei Kinder. Die Rückseite des Bildes ist ohne Inschrift. Verstreut liegen bunte Splitter auf dem Boden. Der Park gibt Raum den eigenen Gedanken nachzuhängen. Mögen sie in Frieden wandern.

 

 

 

 

 

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