Da brat mir einer´ nen Storch…

Landvergnügen, die Vierte. Ich muss am Samstag früh raus um in Bremerhaven einen Erste Hilfe Kurs zu geben. Das soll aber nicht davon abhalten am Wochenende unterwegs zu sein. Thorsten kommt per Pedes zur Seminarstelle und, nach dem Aufräumen und Einkaufen, fahren wir nur 20 km weiter ins Örtchen Sievern. Hof Icken ist Anbieter von Landvergnügen. Zuerst sind wir etwas enttäuscht. Der Hof liegt mitten in einer Wohnsiedlung, der Stellplatz ist eine atmosphärlose gepflasterte Fläche auf der schon mehrere große Wohnmobile stehen.

Wir spazieren durch die Straßen bis zum ausgelagerten Mutterkuh-Stall, von dort an der Dorfkneipe ‘ Zur Ecke’ vorbei und entdecken den ersten Storch. Dann zwei, dann drei, dann vier…dann eine Live-Kamera die das Leben der Tiere aufzeichnet. Störche wohin das Auge blickt. Im Gespräch mit Frau Icken erfahren wir, dass Sievern schon immer beliebt war. Zeitweise wurden 31 Störche gezählt, und sie kommen immer wieder…

Um auf dem Hof zu grillen ist es uns zu ungemütlich. Wir fahren nochmal mit dem Auto zum 2km entfernten See, und stellen fest, dass nur eine kleine Bucht der Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Rest ist in Privatbesitz: Haus am See mit eigenem Badepier…dekadent. Egal, jedenfalls finden wir eine Parkwiese die zu dieser Zeit fast leer ist und beginnen, in einer grünen Ecke mit Aussicht, zu grillen. Anschließend fahren wir zurück zum Hof, nutzen die Duschen und schlafen hervorragend. Am Morgen ist der Hofladen für die Camper geöffnet und, statt Spende für Wasser, kaufen wir bio-teure Salami und Sanddorn-Honig. Im Anschluss geht’s wieder zum See.

Noch ist nicht viel los, und die Chancen stehen gut ein schattiges Plätzchen zu finden. Der See hat, grob beschrieben, eine T-Form. Die untere Hälfte der Senkrechte kennzeichnet die zugängliche Eintrittsstelle, danach schwimmt man in “feindlichen” Gewässern. Der See ist nicht riesig, aber das Wasser qualitätsgeprüft (3 Sterne) und blaualgenfrei. Ich schwimme bis ans andere Ende und werfe Blicke in die Gärten mit Oster-Insel-artigen Holzskulpturen. Inzwischen hat der Kiosk am Strand aufgemacht. Thorsten steht in der Warteschlange an dritter Stelle. Die Schlange ist beachtlich gewachsen, bis er an der Reihe ist. Der Herr des Imbisses ist in die Jahre gekommen und hat es schwer im Kreuz. Mit einer Hand muss er sich an der Theke festhalten, die andere bedient. Mit der Bestellung zweier Bratwürste ist er vorläufig außer Gefecht gesetzt. Ein paar Jungs vom DLRG Nachwuchs werfen sich Botschaften zu, sichtlich ihrer Rolle als Retter bewusst. Wir liegen eine ganze Weile in der Sonne. Ich mit meinem “Deutschland, eine Reise” (Wolfgang Büscher, hervorragend) vor der Nase, Thorsten bräunt, da schiebt ein älterer Herr sein Motorrad bis auf 2m an uns heran. Er zieht sich die schwere Hose aus, steht da mit einer Shorts die mich an eine Unterhose erinnert, und beginnt seelenruhig den Vergaser abzubauen…

Gegen Mittag ist es deutlich heißer und voller am See. Die üblichen Stand-up Paddlern lavieren zwischen den Schwimmreifen tobender Kinder im Flachwasser hindurch, bis sie ins Freie gelangen. Irgendwann tauchen Grillkolonnen auf. Wir beschließen, dass es nun an der Zeit ist zu gehen…

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