Zum Dritten, Vierten und Fünften

Landvergnügt, die Fünfte. Unser Zielort liegt in Friesland und nennt sich, meeresnah, Lüttje Ankerplatz. Ein ehemaliges Landgasthaus, jetzt Café mit Campingangebot. Elke und Ronny haben sich gefunden und beschlossen den Beruf an den Nagel zu hängen um etwas Sinnvolleres zu machen. In Schweiburg kauften sie einen Resthof, schütteten Schotter für den Wohnwagenbereich auf und gerieten mit den Nachbarn in die Haare. Keiner lebt still, wenn der böse Nachbar es nicht will. Unbeeindruckt ließen sie das Anwesen zurück und kauften 2020 den Hof in Grabstede.

Als wir Freitagnachmittag eintreffen, ist das Café voll belegt, man schnackt Platt.

Wir parken praktisch im Garten, mit ausreichend Abstand zu den autarken Bussen. Ronny verteilt Kurze zum Bier und Elke betüdelt die Gäste. Nach der Erfrischung drehen wir eine Runde über Feld und Wiesen und hängen unseren Gedanken nach. Dann surrt es in der Luft. Stromleitungen verlaufen parallel zum Weg, und nicht weit voraus erhebt sich eine gewaltige Stahlkonstruktion in den Himmel. Die Skyline von Manhattan auf dem Lande…Zwei Gerüste stehen sich gegenüber, verbunden durch ein rotmaschiges Gewirr, welches im Wind einsame Peitschenhiebe ausstößt.

Wir rätseln über Sinn und Zweck. Irgendwas für Wartungsarbeiten an den Leitungen, mit Auffangnetz, denn hoch oben auf den Gerüsten verlaufen Stege. Ronny wird uns später erzählen, dass das Ganze eine einzige Fehlkonstruktion der EWE ist. 

Beim Frühstück, am nächsten Morgen, wir überlegen wo es heute hingehen soll, als Ronny vorbei schaut. Wir suchen Rat bei der Entscheidung: “Kannst Du eine Ecke in der Gegend empfehlen?” “Hier ist so Einiges, ihr könntet Räder leihen, die haben wir da…” Die zwei Modelle stammen aus dem Verkauf eines ehemaligen Radhändlers von anno dazumal. Mein Sattel sitzt sich wie ein uneingerittener Brooks, aber das Rad schnurrt.

Damit gelangen wir zu den Mühlenteichen. Im Teich leben diverse Fische, u.a. der Gründling. Dieses Tier hat den Volksnamen “Totengräber”. Zur Zeit der Belagerung Wiens, 1683, wurden die Toten in die Donau geworfen. Man bemerkte, dass der Gründling das Menschenfleisch dem der toten Tiere im Fluss vorzog. Im See darf nicht gebadet werden.

Als Pausenstop empfiehlt sich das italienische Restaurant “La Grotta”, am Marktplatz in Bockhorn. Vor dem Hauptgang werden Oliven gereicht, den Abschluss bildet ein Aperitif.

Nicht weit entfernt schließt der Neuenburger Urwald an. Einzig die Tatsache, dass sich der Wald seit über 100 Jahren selbst überlassen ist, rechtfertigt die Bezeichnung. Vor herunterfallendem Geäst wird streckenweise gewarnt. Verirren ist allerdings beinah unmöglich. Ein Knotenpunktsystem weist dem Wanderer den Weg. Mit dem Rad empfiehlt es sich aufeinanderfolgende Zahlen zu erinnern, um nicht alle 300 m absteigen und nachgucken zu müssen.

Nach Kaffee und Kuchen im Lüttje Anker sind wir geplättet, und bis zum Abend macht so jeder Seins. Dann allerdings wirds bunt auf dem Platz. Ronny und Elke haben Gäste, und wir freunden uns mit den Nachbarn aus Westerstede an. Nils und Sabrina (eine Namensverwandte) haben sich einen gebrauchten Hymer von 1997 zugelegt. Sie sind mit “Hubi” zum ersten Mal unterwegs. Nils größte Sorge ist, dass er mit seinen 1,90m die Füße nachts nicht aus dem Alkoven-Bett hängen lassen kann. Mit ordentlich Bier, und den abermals angebotenen Schnäpsen, werden solche Gedanken herunter gespült.

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